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Sind es 620 Jahre oder gut 550 oder nur knapp 430 Jahre? Diesen Historikerstreit in Ulm wollen wir hier gar nicht entscheiden – auf jeden Fall hat der Ulmer WeihnachtsMarkt jahrhundertelange Tradition.
Der Ulmer Mönch Felix Fabri, der große Geschichtsschreiber der geschichtsträchtigen Reichsstadt, verwies anno 1488 auf ein damals schon über 100 Jahre zurückliegendes Ereignis: Die Reichsstadt hatte da, 1383, die Herrschaft Albeck erworben – und damit den zuvor dort in der kleinen Gemeinde nördlich von Ulm abgehaltenen Markt.
Nein, sagen manche Ulmer Lokalhistoriker heute: Fabri irrte, eine Wintermesse als direkter Ahnherr des heutigen WeihnachtsMarkts tauche erst 1445 auf. Und wieder andere wollen in diesem Graubereich der Geschichte noch sicherer gehen: 1574 nennen sie als das Datum, zu dem sichere Nachweise für einen Nikolausmarkt auftauchen. Aber dann blickt der Ulmer WeihnachtsMarkt auch schon auf fast 430 Jahre zurück.
Anfangs dauerte der Markt wohl nur einen Tag, schon 1600 aber waren es zwei. Er überdauerte, uff der fremden Kramer Wagnis, den 30-jährigen Krieg. Zu dessen Ende hin, 1648, waren es schon fünf Markttage, ab 1656 dann eine Woche. Marktplatz war, anders als heute, nicht der Münsterplatz, sondern der Bereich um das heutige Rathaus, ein paar Schritte entfernt.
Der Markt war ein Handelsplatz. Töpfe jeder Art, Majolika und Steingut aus dem Rheinland, italienische Glasartikel und Textilien wurden angeboten. Der Unterhaltung wurde wenig Platz eingeräumt – erst 1729 änderte sich das, durch einen Konjunkturknick (so würden wir es heute sagen) sank die Kauflust, die Entwicklung zum Markt mit viel Unterhaltungswert begann.
Anno 1781 besuchten, vermeldete die damalige Ulmer Zeitung, 839 Händler den Nikolausmarkt, 1783 waren es gar 881. Sie kamen aus Augsburg, Kempten, Schaffhausen, Basel, Straßburg, sogar aus Mailand und Moskau – Ulm war in dieser Zeit ein wichtiger vorweihnachtlicher Handelsplatz für das Main- und Donau-Gebiet, es gab englische, französische und italienische Luxusartikel, Baumwolle und Baumwollprodukte.
1805 zog die Messe auf den Münsterplatz – schon als eine Kombination aus Kramer- und Vergnügungsmarkt. Es gab Schaubuden, Elefanten, Kasperletheater, schließlich auch Karussells, beschreibt einer Ulmer Chronisten.
Den letzten tief greifenden Umschwung erlebte der WeihnachtsMarkt anno 1984: Damals wurde daraus der Markt, wie er sich seitdem auf dem Münsterplatz präsentiert. Traditionsbewusst, doch nicht altertümelnd, heimelig und attraktiv für nunmehr stets über eine Million Besucher aus Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz, auch aus England, Japan und den Vereinigten Staaten. Sie spüren, wenn sie durch die romantischen Gassen des Budendorfes zu Füßen des Ulmer Münsters mit seinem höchsten Kirchturm der Welt bummeln, nicht nur etwas von Weihnachten, sondern auch etwas von der reichen Geschichte der Reichsstadt an der Donau.
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